Die Excel im Pool
Helden sind leider (zu) teuer
Nach dem ersten Erinnerungsfragment folgt sogleich das zweite. Rossi fühlt sich nun fast wie in einem Traum. Er sass immer noch auf einem wackligen Bürostuhl in der Arche und dachte daran…
…Später in dieser Nacht bzw. mitten am Morgen, Zeit war hier Konzept, kein Zustand sass Rossi am Rand des Pools. Der Schaum war abgeflacht, die Luft schmeckte verbraucht.
Er starrte auf sein Tablet. Natürlich hatte er es mitgebracht. „Nur falls der Aufsichtsrat noch Fragen hat“, hatte er gesagt. Aber niemand hatte Fragen.
Auf dem Display: eine Excel mit verschiedenen Szenarien. Recovery Slow, Recovery V-Shaped, Recovery Emotional. Letzteres war ein Scherz vom CFO, der es ins finale Sheet geschafft hatte.
Rossi zoomte mit nassen Fingern in die Spalte Headcount. Eine Reihe nach der anderen: rot hinterlegt.
Effizienzmaßnahme.
Standortbereinigung.
Outsourcing-Potenzial.
Im Hintergrund lachte jemand, gellend und echt.
Jemand sprang in den Pool, mitten hinein in das Licht der Unterwasserstrahler. Wasser spritzte auf sein Tablet, die Excel flackerte kurz.
Rossi lachte mit. Nach außen.
Innen dachte er:
Wenn sie wüssten, wer von ihnen in welcher Zeile steht.
Neben ihm ließ sich eine Frau mit Dauerlächeln nieder. External Executive Coach, spezialisiert auf „Visible Leadership“.
„Sie müssen den Moment nutzen“, sagte sie. „Menschen lieben starke Anführer in schwankenden Zeiten.“
„Die Zeiten schwanken?“ fragte Rossi und blickte auf das aufgewühlte Poolwasser.
„Das ist doch wunderbar für Sie“, sagte sie. „Die Welt braucht Helden.“
Rossi sah auf das Tablet. Auf die Spalte ganz rechts: Kursziel 2023.
„Helden“, sagte er leise, „sind teuer.“
Sie lachte, als wäre das ein Witz gewesen.


